Ein Leben für die Musik
Da sitzt sie, aufrecht, beweglich nach Jahrzehnten Yoga,
mit ihren strahlenden liebevoll-mädchenhaft lächelnden Augen
und freut sich im Kreise ihrer Familie über diesen Tag.
Ein gemütliches Heim, eine Tasse Darjeeling-Tee
mit Krümelkandis und ein wenig Rum.
Noch vor wenigen Jahren hatte sie ihren festen Platz
im Musikleben der Stadt Bremerhaven, organisierte Konzerte,
gibt bis heute Musikunterricht.







Mit 16 Jahren ging Ilse-Marie aus dem Hause,
von Lutherstadt Wittenberg nach Sondershausen und Halle/Saale und Leipzig,
mit dem festen Ziel Musikstudium: Klavier, Orgel, Gesang.
Zur Aufnahmeprüfung spielte sie bereits auf der Orgel
Bachs Es-Dur Präludium und Fuge (normalerweise für Abschlussprüfungen).


Für die staatliche A-Prüfung musste sie Ende April 1945 ins zerbombte Berlin,
wo sie das letzte vollständig durchgeführte Staatsexamen absolvierte.
Einer der Prüfer erschien noch in SA-Uniform.
Dauer: 3 Tage, unterbrochen von Bombenalarm und Luftschutzbunker,
dann zurück mit einem der letzten Züge nach Halle/Saale.

Während des Studiums an der Kirchenmusikschule in Halle/Saale durfte sie auch
schon selbst unterrichten, weil die Lehrer an der Front oder gefallen waren.

Nach 1 Jahr an der Universität Erlangen als Dozentin für Orgel und Klavier
unter Georg Kempff (Bruder von Wilhelm Kempff) erhielt sie
1949 einen Ruf nach Berlin (Ost) als Organistin an der Adolf-Stoecker-Stiftung,
dem Tagungsort der Generalsynode der Evang. Kirche in Deutschland,
zuständig für West- und Ost-Deutschland, veranstaltete u.a. Kantatengottesdienste
unter Mitwirkung von  Bischof Otto Dibelius (Ratsvorsitzender der EKD).

Ilse-Marie Olbrich genoss inzwischen hohes Ansehen
als Oratoriensängerin in der DDR
und war sehr gefragt,  
auch privat von ihren 2 kleinen Kindern.


1961 gelang der Familie die Flucht in den Westen,
der erfolgreichen Karriere musste ein beruflicher Neuanfang folgen:
mit 41 Jahren Existenzgründung in Bremerhaven,
noch weitere 42 Jahre Unterricht an der hiesigen Musikschule!


Generationen von Kindern und Jugendlichen gingen durch ihre Hände,
liebevoll gefördert und streng gefordert,
mehrere bekamen 1. Bundespreise bei „Jugend musiziert“.
Jugendliche Talente heranzubilden war ihr immer eine Freude!
Selbst saß sie jahrzehntelang in der Jury von „Jugend musiziert“
auf Regional- und Landesebene und wusste immer bestens Bescheid
über den Entwicklungsstand der jugendlichen Spieler.

In Bremerhaven war sie bekannt als Sopranistin in Kantaten,
sprang immer wieder ein an der Orgel in der
Paulus-, ­­­Christus-, Dionysius- und in der Großen Kirche.
Sie organisierte Konzerte für die Gesellschaft 47
und Rotary, oft in der Burg Bederkesa,
begründete die Bremerhavener Hausmusiktage.


Auch wenn sie heute Musik hört, erkennt sie
sofort die Stücke und Sätze* und mit ihrem
absoluten Gehör auch jede Schwäche.
Sie hat ihre außergewöhnliche Begabung
von der Großmutter geerbt
und an Kinder und Enkel weitergegeben.

Es ist eine Freude, ihr zuzuhören, wenn sie plötzlich aus dem Stegreif
über Komponisten, Künstler und Musik philosophiert
und dabei mühelos Bezüge zu Geschichte, Gesellschaft und Religion herstellt.

* Sie hören gerade Christine Olbrich mit Takten aus der Beethoven Sonate C-Dur op. 2,3 Satz 2


Aber das Wichtigste war ihr immer, ihren Schülern
auf dem Weg zum Erfolg und zur Persönlichkeitsbildung zu helfen.
Ilse-Marie Olbrich wird 90 Jahre
Sie ist die Frau des bekannten bildenden Künstlers
Gerhard Olbrich (Krabbenfrau, Windsbraut u.v.a.m.),
sie stand ihm Modell für die „Mathilde“ von Bederkesa,
aber in 57 gemeinsamen Jahren nie in seinem Schatten.
Wir gratulieren!
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